Sie bereitete sich in der Schweiz privat auf das Lehrerinnen - Examen
vor und bestand es 1892, machte als erste Frau in Preußen 1894 Abitur,
studierte Geschichte, Englisch, Deutsch und Religion und promovierte ebenso
als erste Frau 1898 zum Doktor der Philosophie.
Sie legte das Staatsexamen für Gymnasiallehrer ab und gründete
1900 die erste private Schule mit gymnasialem Unterricht fuer Mädchen
in Charlottenburg. Nach 1906 war sie die erste Gymnasiallehrerin in Bonn.
Sie heiratete den Arzt Dr. Max Wegscheider und bekam zwei Söhne.
Von 1919 bis 1933 war sie preußische Landtagsabgeordnete der SPD, von 1929 bis 1933 Oberschulrätin beim Provinzialschulkollegium der Mark Brandenburg.
Die Hälfte ihres Gehaltes spendete sie für Hilfsorganisationen oder direkt an Bedürftige, beköstigte einmal in der Woche fünfzehn Arbeitslose.
1933 wurde sie aus allen Ämtern entfernt. In den folgenden zwölf Jahren litt sie unter wachsendem materiellen und geistigem Terror und mußte ihren Lebensunterhalt durch Privatunterricht verdienen.
Nach dem Krieg arbeitete sie trotz ihres hohen Alters in Kultur- und Schulausschüssen mit. Sie leistete damit einen wesentlichen Beitrag zum Wiederaufbau des Schulsystems.
Im
Jahre 1946 wurde anlässlich ihres 75. Geburtstags
unsere Schule in Hildegard- Wegscheider- Oberschule umbenannt.
Am 4. April 1953 starb Hildegard Wegscheider im Alter von 81 Jahren.
Sie wurde als "bescheiden und herzlich, gütig, engagiert,hilfsbereit
und ausgleichend" charakterisiert.
Quellen und Materialien:
Die Erinnerungen von Hildegard-Wegscheider , die zunächst 1947 in der Zeitschrift
"Das sozialistische Jahrhundert" erschienen waren, wurden posthum zusammengefasst
als kleine Autobiographie unter dem Titel "Weite Welt im engen Spiegel" 1953 in Berlin veröffentlicht.
Eine biographische Skizze ist erschienen in : Benno Schmoldt (Hrsg.),Pädagogen in
Berlin.
Auswahl von Biographien zwischen Aufklärung und Gegenwart(Materialien und
Studien zur Geschichte der Berliner Schule, Bd.9), Hohengehren, 1991, S. 237-247.
Michael-Sören Schuppan: Hauptstadtegoismus und preußische Schulverwaltung (Schöningh Wissenschaft 2007).
Das Grab von Hildegard Wegscheider befindet sich auf dem Städt.
Friedhof in Berlin Wilmersdorf , Berliner Str. 81 ( Grabstelle C 7-3 Nr.
12). Hildegard Wegscheider wird im Eingangsbereich auf der Tafel
" Ehrengrabstätten" als Studienrätin und Schulreformerin gewürdigt.