Historie des HWG

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Wer war eigentlich Hildegard Wegscheider?

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Hildegard Wegscheider wurde am 2. September 1871 als Tochter eines Lehrers am Grauen Kloster und späteren Pfarrer in Berlin geboren. Ihre Mutter brachte Hildegard mit fünf Jahren das Lesen und Schreiben bei, schickte sie zur Höheren Töchterschule und in ein Schweizer Mädcheninternat.
Sie bereitete sich in der Schweiz schon privat für das Lehrerinnenexamen vor, welches sie 1892 auch bestand. Sie machte als erste Frau in Preußen im Jahre 1894 Abitur und studierte Geschichte, Englisch, Deutsch und Religion.
Sie legte das Staatsexamen für Gymnasiallehrer ab und gründete 1900 die erste private Schule mit gymnasialem Unterricht für Mädchen in Charlottenburg. Nach 1906 war sie die erste Gymnasiallehrerin in Bonn.

Hildegard Wegscheider heiratete den Arzt Dr. Max Wegscheider und bekam zwei Söhne. Im Zeitraum von 1919 bis 1933 war Hildegard preußische Landtagsabgeordnete der SPD, von 1929 bis 1933 Oberschulrätin bei der Preußischen Schulaufsicht der Mark Brandenburg.

Hildegard spendete die Hälfte ihres Gehaltes für Hilfsorganisationen oder direkt an Bedürftige und versorgte einmal in der Woche fünfzehn Arbeitslose mit Essen.
1933 wurde sie aus allen Ämtern entfernt und litt in den folgenden zwölf Jahren unter wachsendem, materiellen und geistigem Terror. Nun musste sie ihren Lebensunterhalt ausschließlich durch Privatunterricht verdienen.

Nach dem Krieg arbeitete sie trotz ihres hohen Alters in Kultur- und Schulausschüssen mit. Sie leistete damit einen wesentlichen Beitrag zum Wiederaufbau des Schulsystems.
Im Jahre 1946 wurde anlässlich ihres 75. Geburtstags unsere Schule, in die Hildegard- Wegscheider- Oberschule umbenannt.
Am 4. April 1953 starb Hildegard Wegscheider im Alter von 81 Jahren.
Sie wurde als „bescheiden, herzlich, gütig, engagiert,hilfsbereit und ausgleichend“ charakterisiert.

Das Grab von Hildegard Wegscheider befindet sich auf dem Städtischen Friedhof in Berlin Wilmersdorf, Berliner Str. 81 (Grabstelle C 7-3 Nr. 12). Hildegard Wegscheider wird im Eingangsbereich auf der Tafel  „Ehrengrabstätten“ als Studienrätin und Schulreformerin gewürdigt.

Quellen und Materialien:
Die Erinnerungen von Hildegard-Wegscheider, die zunächst 1947 in der Zeitschrift „Das sozialistische Jahrhundert“ erschienen waren, wurden posthum zusammengefasst als kleine Autobiographie unter dem Titel „Weite Welt im engen Spiegel“ 1953 in Berlin veröffentlicht.
Eine biographische Skizze ist erschienen in: Benno Schmoldt (Hrsg.),Pädagogen in Berlin.
Auswahl von Biographien zwischen Aufklärung und Gegenwart (Materialien und Studien zur Geschichte der Berliner Schule, Bd.9), Hohengehren, 1991, S. 237-247.
Michael-Sören Schuppan: Hauptstadtegoismus und preußische Schulverwaltung (Schöningh Wissenschaft 2007).